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Steinere Wüsten, die das Gefühl für Entfernung aufheben und Canyons, die sich in bodenlose Tiefen stürzen; finstere
Schlösser aus der Zeit der Kreuzritter, die das Nichts bewachen; Geisterstädte, die an unzugänglichen Hängen kleben und steile Berge, die biblische Geschichten Wirklichkeit werden lassen. Ers t vor fünfzig Jahren am grünen Tisch erfunden, ist Jordanien indes eines der ältesten Länder
der Welt, in dem die Geologie und die Geschichte des Menschen zahlreiche und vielfach heute noch geheimnisvolle Spuren hinterlassen haben. Petra, die "rosa Stadt", die von den antiken
Nabatäern in den Felsen gehauen wurde, ist mittlerweile weltberühmt, doch liegt um Petra ein ganzes Land, das noch entdeckt werden will: von den Ruinen der griechischen Dekapolis zu den blauen
Gewässern von Aqaba, Vorposten der Korallenriffs des Roten Meers; vom phantastischen Graben des Toten Meers zu den surrealen Felsen von Wadi Rum, Zeugen der Heldentaten von
Lawrence von Arabien. Seele dieses faszinierenden Lands, dessen Natur karg und dessen Charakter sanft ist, sind die Beduinen, jene Nomadenvölker, Hüter tausendjähriger Traditionen, die in anderen
arabischen Ländern seit langem in Vergessenheit geraten sind. Im Schatten ihrer schwarzen Zelte werden noch die uralten Märchen der Wüste erzählt, in denen sich alles um die Djinn dreht, respektlose
und unfassbare Sandkobolde, die ein großzügiger und toleranter Islam im Volksglauben überleben ließ. Dieses Land, das nach Jahrzehnten des Kriegs, prekärer Grenzen und Flüchtlingswellen aus
den Anrainerstaaten endlich in Frieden lebt, betritt die Bühne des neuen Mittleren Orients zwar beladen mit zahllosen Problemen, aber auch reich an Prestige: bereit, sich eine neue Zukunft zu erfinden, die
seiner grandiosen Vergangenheit würdig ist. |